Montag, 13. August 2012

Schlafen und Träume

Heute wieder ein Beitrag aus dem Kontext meines Psychologiestudiums (wie immer ohne Gewähr auf 100%tige Korrektheit).


Circa 2005 habe ich Freuds Traumdeutung zum Großteil gelesen. In der Traumdeutung geht Freud davon aus, dass Träume eine Bedeutung haben und auf verborgene, also unbewusste, Wünsche des Träumenden hinweisen.
So kann ein Traum von einem weiblichen Gegenstand (oval, mit Öffnung etc.) laut Freud für eine Frau stehen und etwa unterdrückte sexuelle Leidenschaft bedeuten.

Doch was ist nun dran an Freuds Traumdeutung?

Laut Gerrig/Zimbardo konnte Freuds Traumdeutung nie belegt werden. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass es noch ganz andere Deutungstheorien für Träume gibt. So sehen einige Kulturen Träume beispielsweise als Boten der Zukunft an: Träumt der Träumer von X, wird Y passieren. Außerdem gibt es je nach Kultur unterschiedliche Auffassungen darüber, ob ein Traum individuelle oder gemeinschaftliche "Geheimnisse" (unbewusste Wünsche; die Zukunft) verrät.

Die moderne Forschung sei da anderer Meinung. Zunächst einmal träumen wir nicht in jeder Schlafphase gleichermaßen, sondern primär in der REM-Phase (jedoch nicht nur). Als Erwachsene Menschen benötigten wir circa 7-8 Stunden Schlaf, in denen wir anscheinend die Eindrücke des Tages verarbeiten und uns regenerieren (Konservierung und Regenerierung finden in der NREM-Phase statt [1]). Während der REM-Phase festigen wir hingegen die neu gewonnenen Eindrücke des Tages, d.h., wir lernen [1]. Forschungsergebnisse scheinen zu belegen, dass Träume die Funktion haben, "die Erfahrungen der letzten Tage mit den Zielen, Wünschen und Problemen des Träumers in Einklang zu bringen" [hier zitiert [1] (Paller/Voss, 2004).

In [1] wird zudem das Führen eines Traumtagebuchs empfohlen, damit der Träumer lernen kann, welche Inhalte das eigene Gehirn nachts verarbeitet. Hilfreich sei dabei eine variierende Weckzeit um sich zu verschiedenen Uhrzeiten aus dem Schlaf zu holen. Wachen wir möglichst REM-nah auf, können wir uns anscheinend besser an unsere Träume erinnern und sie entsprechend besser zu Protokoll bringen.

Interessant ist auch, dass [1] erwähnt, dass Albträume äußerst selten seien (bei Kindern und bei Personen, die Katastrophen erlebt haben seien sie allerdings häufiger).

Innerhalb unserer Träume können wir uns auch des Träumens bewusst werden. Realisieren wir, dass wir träumen und wachen dabei nicht auf, nennt sich dieser Zustand luzides Träumen. In einem Paper von Taitz zum Thema des luziden Träumens [2] wurde untersucht, ob luzides Träumen gelehrt werden kann und ob sich die Häufigkeit von Depressionen mit der Zunahme an luziden Träumen bzw. der Fähigkeit zum luziden Träumen reduziert. Resultierend kann tatsächlich gesagt werden, dass häufige luzide Träumer bei besserer psychischer Gesundheit sind (und weniger depressiv sind), als Menschen, die nur selten oder gar nicht luzide Träume haben.

Eine Folge von Geist und Gehirn zum Thema Schlafen gibt es übrigens auch:



[1] Gerrig u. Zimbardo: Psychologie, Pearson Studium.
[2] Taitz: Learning lucid dreaming and its effect on depression in undergraduates, Int. Journal of Dream Research, Vol. 4, No. 2, 2011.