Sonntag, 28. August 2011

Statusreport Promotion (nach FH-Abschluss)

Teil 1: Sonntag, 28. August 2011

Seit fast zwei Jahren arbeite ich mittlerweile auf meinen Doktorgrad hin. Zeit für ein Lob bzw. eine Berichterstattung.

Ich glaube, ich dürfte etwa 15 gewesen sein, als ich anfing, mich für Projekte zu begeistern, von denen ich im Voraus nicht wusste, ob sie gelingen würden, die aber eine Herausforderung darstellten. Den aktuellen Gipfel dieser Projekte tituliere ich nun als Promotionsvorhaben und selbiges erwies sich bisher als großer Glücksfall. Nicht nur, dass ich als FH-Absolvent durch eine äußerst glückliche Fügung an diese Möglichkeit geriet und ich mich über gute Betreuung freuen kann. Nein, ich freue mich noch über eine ganz andere Tatsache: Es macht unglaublich viel Freude, sich so außerordentlich intensiv mit einem Thema zu befassen, wie es im Rahmen einer Promotion wohl zwangsläufig erfolgen muss. Bereits vor geraumer Zeit zählte mein Literaturverwaltungsprogramm (JabRef) über 100 gelesene Papers (gezählt - natürlich - ohne Fachbücher und Fachartikel ohne Review).

JabRef 2.6 mit geladener Publikationsliste

Für spontane Ideen trage ich generell ein dickes Notizbuch mit mir herum. Jede Idee, die es in dieses Notizbuch schafft, wird mehrmals im Laufe der nächsten Wochen gelesen. Ich versuche die Ideen immer wieder in einen abstrakteren Kontext zu setzen oder nützlicher zu machen, als sie es derzeit sind.

Problemlos fügt sich dennoch nicht alles meinem Wunschverlauf. So stehen einem angenommenen Konferenzpapier (s. hier) bisher 3 Rejections gegenüber und eigentlich wollte ich auch schon viel weiter sein. Auch mit der englischen Sprache habe ich stark zu kämpfen. Für mich steht zwar fest: Egal, wie lange es dauert, ich ziehe es - wenn man mich lässt - mit absoluter Sicherheit durch. Doch bedeutet das nicht, dass ich mich ausruhe. Ganz im Gegenteil: Momentan befinde ich mich in einer äußerst produktiven Phase und überhaupt habe ich in den letzten Monaten sehr viel Zeit in Wochenenden investiert, die ich im Büro verbrachte, um zu recherchieren und zu tippen. Auch nächtliche Arbeitssessions (oftmals nicht allein, damit es wenigstens gemeinsame Kaffeepausen gibt, aber dafür bin ich in einsamer Arbeit produktiver) haben einen festen Platz in meinem Leben eingenommen. Da ich mit der Straßenbahn nur bis Mitternacht nach Hause komme, wird auch hin und wieder bis halb fünf Uhr Morgens gearbeitet (ab dann fahren hier in Augsburg wieder die Straßenbahnen).

Die Arbeit an den Papers ist äußerst zeitintensiv, bereitet mir aber viel Freude. Wie bei meinen Fachbüchern, so bringt auch hier jede getippte Seite ein gutes Gefühl mit sich. Der Unterschied liegt im Aufwand pro Seite: In einem Paper kann mir eine getippte Zeile mit neuer Referenz schon den Tag retten!
Schwed. Nationalbibliothek
(Kungliga biblioteket)
in Stockholm,
Aufgenommen im Aug. 2011.

Dass so viele promovierte Menschen in ihrer Dissertation von anderen abgeschrieben haben, das ist für mich nicht nachvollziehbar. Mein Verständnis dafür ist gleich Null. Auch dem jüngst in der ZEIT (Ausg. 35/2011) degradierten Dr. med. kann ich nur mit Kopfschütteln begegnen. Wieso lassen die Mediziner solche Praktiken bloß zu, schaden sie doch ihrem eigenen Ansehen in großem Maße? In der Informatik (und wohl allen MINT-Fächern) ist die Wahrscheinlichkeit für solche Betrugsfälle sicherlich sehr gering, da man gezwungen ist, wissenschaftliche Beiträge zu veröffentlichen. Diese Beiträge (Papers) werden durch fremde, einem nicht bekannte, Experten beurteilt und nur nach entsprechendem Begutachtungsresultat zur Präsentation freigegeben. Die eigentliche Dissertation dürfte (so, wie ich das bisher verstanden habe) nur noch das Gesamtwerk der zuvor bereits in den Veröffentlichungen dargelegten Erkenntnisse sein. Die eigentliche Leistung scheint mir dann doch eher in den Papers zu stecken. Das macht die Promotion in der Informatik zwar schwierig und lang (neulich war zu lesen, die Durchschnittsdauer für den Dr.-Ing. an der RWTH sei im Schnitt 5,4 Jahre!, Quelle: Forschung&Lehre 7/11, S. 534-535), aber dafür wenigstens qualitativ hochwertig.

Durch meine Halbtagsstelle und die freie Zeiteinteilung für das Arbeiten als Fachautor bleibt mir zum Glück viel Zeit, mich um die Forschung zu kümmern und durch die Arbeit an der Hochschule, die zwar nichts mit meinem Promotionsthema zu tun hat, aber wissenschaftlich ist, erlange ich wichtiges Wissen zum wissenschaftlichen Arbeiten/Forschungsalltag. Promotion und Forschungstätigkeit profitieren letztlich gegenseitig voneinander. Außerdem sind wissenschaftliche Publikationen außerhalb meines Promotionsthemas auch nicht verkehrt. Finanziell vergleiche ich mich besser nicht mit den Kommilitonen, die so schlau waren, nach dem Studium in einen hoch bezahlten Job zu gehen, aber das ist weniger wichtig, denn: Ich promoviere aus Idealismus und nicht für das Klingelschild! Bis zum Ziel werde ich wohl noch 2-3 Jahre brauchen.




 Teil 2: Sonntag, 27. Februar 2012

Mittlerweile sind wieder sechs Monate ins Land gestrichen und es wird Zeit für eine Aktualisierung des Postings. Was gibt es denn an Neuigkeiten?

Zum einen habe ich neben verschiedenen kleinen wissenschaftlichen Präsentationen meine ersten richtigen Konferenzvorträge im Ausland gehalten, worüber ich mich sehr freue. Der Austausch mit anderen Menschen, die auf dem Spezialgebiet forschen, ist sehr bereichernd. Bisher würde ich den Schluss ziehen, dass der Austausch mit anderen Wissenschaftlern umso interessanter ist, je spezieller und anspruchsvoller die Konferenz ist. Auch konnte ich Gastvorträge an anderen Universitäten halten.

Seit dem Posting von Teil 1 konnte ich zum anderen stapelweise weitere Papers lesen und habe zwei weitere Tagungspapiere unterbringen können. Außerhalb meiner Doktorandenforschung auf dem Gebiet der verdeckten Kanäle in Netzwerken konnte ich auch einige weitere wissenschaftliche Publikationen über das Forschungsgebiet erzielen, in dem ich eigentlich beruflich arbeite (Gebäude-Automation).

Da ich nun schon seit 2009 an meiner Doktorarbeit sitze, einige Erfolge erzielen konnte, und sich langsam aber sicher alles zu einem großen Ganzen zusammenfügt, plane ich außerdem, in den nächsten Monaten mit dem Aufschreiben der eigentlichen Dissertation in englischer Sprache zu beginnen. Zunächst möchte ich aber endlich meine Monographie zum Thema abschließen (quasi eine freiwillige Zusatzleistung neben der Promotion).

Meine aktuelle Publikationsliste




 Teil 3: Montag, 18. Juni 2012

Ich schreibe gerade vom Airport-Gate in Boston und halte mich hier zwecks Rückflug von einer Konferenz in Kanada (genauer: Ottawa) auf. In Boston konnte ich einen kurzen Familienbesuch mit Besichtigung des MIT und der Boston Public Library unterbringen -- sehr inspirierend.

In der Zwischenzeit konnte ich ein weiteres wissenschaftliches Paper unterbringen und meine Monographie zum Thema der verdeckten Kanäle abschließen. Bald sollte das Manuskript in den Druck gehen.

Außerdem habe ich meinen ersten Best Paper-Award für ein gemeinsames Papier von meinem betreuenden Professor und mir erhalten.

Mittlerweile bin ich außerdem dabei, die eigentliche Doktorarbeit zu verfassen, wobei ich noch beim Grundlagenkapitel bin (und auch noch eine Weile dort verweilen werde).

Meine aktuelle Publikationsliste




 Teil 4: Donnerstag, 07. Februar 2013

Vor einer Woche habe ich meine Dissertation mit der Post an die FernUniversität in Hagen geschickt. Jetzt heißt es: Warten und hoffen, dass nichts schief läuft!



 Teil 5: Freitag, 21. Juni 2013

Anfang Mai fand schließlich die Verteidigung meiner Dissertation statt, die ich mit 'magna cum laude' bestand! Seit heute besitze ich auch die zugehörige Promotionsurkunde und darf mich offiziell Doktor nennen.

Meine aktuelle Publikationsliste

Montag, 8. August 2011

Vorschau: Cover für die fünfte Auflage

Mittlerweile ist das Cover für die fünfte Auflage von unserem Linux-Handbuch veröffentlicht. Der zugehörige Inhalt kommt dann in etwa 4 Monaten ;)

Es handelt sich bei dieser Neuauflage hauptsächlich um das Resultat einer Aktualisierungsarbeit; neue Inhalte gibt es zwar auch, aber eher im kleinen Umfang. Unseren Fokus legen wir (wie immer) primär auf die Qualitätssicherung des Inhalts.